Ich erinnere mich noch an die Zeit, als Clenbuterol als neues Wundermittel galt.
„Weißt du, meine Ratte scheint echt gut auf dieses neue Zeug anzusprechen.“
„Oh, welches?“
„Oh dieses neue Zeug, Cle irgendwas.“
„Clenerol...nein, Clenbuterol. Ich weiß nicht, warum ich mir den Namen nicht merken kann.”
Der Freund mit dem ich diese Worte wechselte, hatte die Angewohnheit jedes neue Mittel oder jeden neuen Stack als Experiment an einer Ratte zu testen, bevor er die Substanz selbst probierte. Ich schätze, dass das seine Art war, vorsichtig zu sein.
Clenbuterol (Clen) galt als ein unglaublich anaboles, nicht hormonelles Präparat. Zudem würde es Fett zerstören wie kein anderes Mittel. Eine neue Kategorie von Dopingmittel war gerade erst aufgetaucht: die Repartitionsagenten. Was für ein brillantes Konzept! Endlich konnten wir Fett durch Muskeln ersetzen!
Heute, mehr als 10 Jahre später, wird Clenbuterol immer noch ausgiebig in Bodybuildingkreisen genutzt, obwohl es die ursprünglichen Erwartungen nicht erfüllen konnte. Warum?
Ich finde, dass die Zeit für einen ausführlichen Rückblick auf die Eigenschaften und Effekte dieses Mittels gekommen ist. Was ich nun offenbaren werde, mag merkwürdig anmuten, basiert jedoch auf dem Fakt, dass ich gesehen habe, wie dieses Zeug kiloweise von willigen Bodybuildern geschluckt oder injiziert wurde. (Natürlich nicht alles auf einmal!)
Dies war das Besondere an Clenbuterol: Es sollte ein Repartitionsagent und kein Hormon sein. Ich schätze, dass dieser Gedanke aus dem Fakt entstand, dass es weder ein Steroid noch in irgendeiner Weise mit Testosteron verwandt ist. Viele dopingfreie Bodybuilder schenkten diesem Gedanken glauben und fingen an mithilfe von oder auf Grund von Clenbuterol Medikamente zu nehmen. Tatsächlich ist Clenbuterol sehr eng mit Hormonen, den sog. Catecholaminen, verwandt. Die bekanntesten Catecholamine sind Adrenalin und Noradrenalin (oder auch Epinephrine und Norepinephrine). Deshalb ist die Einnahme von Clenbuterol ein bisschen vergleichbar mit der Einnahme dieser Hormone, nur das Clen mehr auf die Beta Adrenergic Rezeptoren und nicht auf die Alpha Adrenergic Rezeptoren einwirkt. Adrenalin und Noradrenalin wirken auf beide Arten von Adrenozeptoren ein. Clen ist deshalb ein Beta-Agonist (genauer gesagt ein Beta-2-Agonist).
Falls Clen ein echter Beta-2-Rezeptor-Agonist wäre, gäbe es keinen Grund, warum es nicht anabol sein sollte. Menschliche Muskeln sind gefüllt mit Beta-2-Rezeptoren, die bereit wären, auf Befehl von Clenbuterol zu reagieren. Intensives Training kann die Beta-2-Rezeptor-Dichte in Muskeln erhöhen, was wiederum eine potentielle Synergie entstehen ließe. Dies würde bedeuten, dass Training die Sensibilität des Muskels auf Clenbuterol erhöht.
Das Problem ist, dass solche Ergebnisse selbst bei Tieren nicht festgestellt wurden. Tatsächlich zeigten sich bei Tieren, denen Clenbuterol verabreicht und die dann intensiv trainiert wurden, nur sehr geringe Resultate.
Später bewiesen Forscher, dass die muskelaufbauenden Eigenschaften Clenbuterols nicht, wie zuvor angenommen, auf einer spezifischen Aktivierung der Beta-2-Adrenorezeptoren begründeten. Eher wirke Clen auf einen noch unidentifizierten atypischen Beta-Rezeptor. Anschließend wurde vermutet, Clen wirke auf die neu entdeckten Beta-3-Rezeptoren ein. Als nächstes wurden über eine Wirkung auf Beta-4 Hypothesen aufgestellt.
Beide Annahmen stellten sich, was den Anabolismus betrifft, als falsch heraus.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die mangelnde Wirkung Clenbuterols auf den menschlichen Anabolismus dadurch erklären lässt, dass wir Menschen keine ausreichende Anzahl von diesen atypischen Beta-Rezeptoren in unseren Muskeln besitzen.
Natürlich wurden die Tierstudien mit riesigen Dosierungen, beginnend mit einem Äquivalent von ungefähr 50-60 Tabletten von 20 mcg pro Tag, durchgeführt. Aber selbst mit Dosierungen im kritischen Bereich (Benutzung von Beta-1-Rezeptor-Antagonist zur Minimalisierung der Nebenwirkungen Clens auf das Herz), erlebte niemand die stark anabole Wirkung von Clen. Und dies nicht auf Grund von Mangel an Testpersonen, die bereit waren es auszuprobieren. Wir sollten uns bei diesen Kamikazefliegern bedanken, da ohne sie niemals große Fortschritte im Bereich des Muskelaufbaus erzielt werden könnten.
Einige Studien an Menschen bewiesen eine leichte vorübergehende anabole Wirkung der Catecholamine. Der Verzehr von Proteinen tut dies auch, es ist aber nicht die Art von mildem anabolen Effekt, der eure Muskeln sichtbar größer macht.
Es gibt immer noch Kontroversen über die Fähigkeit Clenbuterols, Muskelwachstum einzuleiten, entweder durch eine stark anabole oder antikatabole Wirkung.
Wenn Clen beim Menschen nicht anabol ist, ist es zumindest antikatabol?
Die Antwort ist ja und nein. Lasst mich erklären. Wenn man sich normal ernährt, bezweifele ich, dass Clen irgendeine antikatabole Wirkung hat. In hohen Dosierungen ist Clen sogar wahrscheinlich eher katabol als antikatabol. Wenn man sich jedoch in einer kalorienreduzierten Diät befindet, sieht die Sache anders aus und Clen ist tatsächlich ein antikataboles Medikament.
Während einer einschränkenden Diät besteht das Hauptproblem unseres Körpers darin, das Fett aus den Fettpolstern als Energiequelle zu nutzen, um das Kaloriendefizit auszugleichen. In Körpern von Bodybuildern ist dieses Verfahren sehr ineffizient. Wir ernähren uns das ganze Jahr lang kohlenhydratreich, was bedeutet, dass wir unsere Körper darauf trainieren, selektiv Kohlenhydrate statt Fett zu nutzen. Während einer Diät, ist unser Körper also nicht daran gewöhnt, Fett anstelle von Kohlenhydraten zu nutzen. Er ist immer noch auf Kohlenhydratverwertung eingestellt und besitzt eine schlechte Fettverbrennung. Dementsprechend benutzt er anstelle von Fett die zweitbeste Energiequelle: Proteine. Und woher kommen diese Proteine? Aus unseren Muskeln, welche während einer Diät als Proteinspeicher wahrgenommen werden. Resultat: Unsere Muskeln schrumpfen, während das Fett bestehen bleibt.
Genau an dieser Stelle kommt Clen ins Spiel. Clen hilft unserem Körper, sein eigenes Fett anstelle von Muskelproteinen als Energiequelle zu nutzen. Der Fettverbrennungsprozess ist beschleunigt, was automatisch unsere Muskelmasse verschont. Am Ende der Diät sind wir auf Grund der schnelleren und effizienteren Fettverwertung härter und massiger.
Nicht massiger als vor der Diät, sondern massiger im Vergleich zu dem Endergebnis der selben Diät ohne Clen. Abhängig von Länge und Härte der Diät, kann der Einsatz von Clen einen beachtenswertern Unterschied von mehreren Kilogramm bedeuten. Aus dem gleichen Grund sind Wachstumshormone vor Wettkämpfen so beliebt. Sie machen die Diät einfacher und viel effektiver, indem sie exzessives Muskelschrumpfen verhindern.
Wer noch immer glaubt, Diäten seien ohne einen signifikanten Verlust an Muskelmasse möglich, solle sich bitteschön Dorian Yates Buch „Blood and Guts“ anschauen, welches Vor- und Nachherbilder beinhaltet. Das Auge eines Experten wird erkennen, dass viele Kilos an purer Muskelmasse verloren gegangen sind, während die Menge an verlorenem Fett begrenzt ist. Dies ist genau das, was passiert wenn man cuttet, selbst wenn man der Beste auf der Welt ist (Natürlich meine ich damit nicht den Verlust von 5 Pfund vor den Ferien, sondern eine echte Diät zum Cutten.).
Die antikatabole Wirkung von Clen ist also indirekt und wird euch nicht helfen, breiter zu werden, wenn ihr nicht in einer Diät steckt. Dies erklärt auch meine Aussage, dass Clen eine gewisse antikatabole Wirkung oder aber auch überhaupt keine haben kann.
Nachdem was ich gerade gesagt habe, hört sich dies vielleicht noch merkwürdiger an, aber Clen kann auch ein wahrhaft kataboles Medikament sein.
In geringen Dosierungen ist es nicht zu bemerken, aber ab einer bestimmten Menge (Äquivalent von 15-20 Tabletten à 20 mcq) besteht die Wahrscheinlichkeit, dass du davon etwas abbekommen wirst.
Wissenschaftliche Untersuchungen am Menschen haben einen starken katabolen Effekt Clenbuterols bewiesen, der durch den Anstieg des Serum Kreatin Kinase Spiegels entsteht. Dies bedeutet, dass Clen unsere Muskelzellen ähnlich wie schweres Training angreift.
„Hört sich das schlimm an?“
„Nein!“
„Hat es irgendwelche Vorteile für Bodybuilder?“
„Ja!“
Für „dopingfreie“ Bodybuilder bedeutet dies, dass ihr euch von den hohen Dosierungen Clens fernhalten müsst. Für Roider ist genau dies eine sehr interessante Eigenschaft.
Vor 10 Jahren hätte ich ein solches Statement nicht gegeben. Fast alle anabolen Steroide waren noch erhältlich und man konnte sich die, die einem am besten passten aussuchen. Das diese Auswahl heute nicht mehr existiert wäre wohl eher Untertreibung. Preise und Verfügbarkeit verschlechtern sich stetig. Testosteron ist wieder das Steroid der Wahl (auf Grund von mangelnder Auswahl). Das Hauptproblem mit Testosteron ist, dass der Anwender es nach einer Weile immer schwieriger hat, Muskelkater zu bekommen. Natürlich ist die Aromatase von der Dosis und Kapazität des Benutzers abhängig.
Östrogene schützen unsere Muskeln vor Beschädigung (Muskelkater), was gut für jeden Sport außer Bodybuilding ist. Potente Anti-Aromatase-Mittel existieren, jedoch verhindert ihr Preis ihre ausgedehnte Nutzung. Tamoxifen (Nolvadex) hat eine östrogenähnliche Wirkung auf Muskeln (und auch Fett) bei vielen Menschen, die ihre Muskelaufbaufähigkeit senkt, während sie den Fettaufbau unterstützt.
Ganz einfach, weil unsere Muskelzellen im Falle von Beschädigung fähig sind, intern starke Wachstumsfaktoren wie IGF, FGF, Prostaglandine und wahrscheinlich auch GH herzustellen. Je mehr Steroide man nutzt, desto höher sollte diese Herstellungskapazität sein. Zudem vergrößern Steroide die Sensibilität des Muskels auf die anabole Wirkung dieser Wachstumsfaktoren.
Schade ist nur, dass die meisten dieser Wachstumsfaktoren nur freigesetzt (und damit aktiv) werden, wenn die Muskelmembran Beschädigung erfahren. Training ist sozusagen der Räuber, der das Safe, indem die Wachstumsfaktoren versteckt sind, öffnet, aber auch durch die Östrogene geschwächt wird. Clen kann an dieser Stelle als Wachstumsfaktoren freisetzender Räuber wirken. Wie erreichen wir dies?
Sobald alle Wachstumsfaktoren freigesetzt sind, wird Wachstum stattfinden, welches die Beschädigungen repariert und dazu noch eine hypertrophische Antwort darauf einleitet. Auf der anderen Seite, wird die Fähigkeit des Muskels, weitere Mengen an Wachstumsfaktoren zu reproduzieren für kurze Zeit beeinträchtigt. Steroide beschleunigen die Erholung von diesem Beeinträchtigung
Dies bedeutet jedoch, dass die hohen Dosierungen von Clen von Zeit zu Zeit eingesetzt werden müssen – Ich würde ungefähr einmal pro Woche vorschlagen – gekoppelt an ein traumatisches Training des Körperteils, dessen Wachstum beschleunigt werden soll.
Darüber hinaus ist eine Rotation des zu trainierenden Körperbereichs erforderlich, um die vollständige Wiederherstellung der Wachstumsfaktorherstellungsfähigkeit eines Muskels vor dem Auslösen einer neuen Freigabe sicher zu stellen.
Beispiel:
In Woche 1 wird der Rücken auf traumatische Art und Weise trainiert (Benutzung von schweren Gewichten, erzwungenen und negativen Wiederholungen bei Übungen mit starkem Stretch). In Woche 2 sind die Beine an der Reihe, dann die Brust.
Die Schmerzen durch Muskelkater werden intensiv sein, aber auch mit schnellem Wachstum belohnt werden.
Die katabole Wirkung Clenbuterols kann also genutzt werden, um neues Wachstum einzuleiten, jedoch nur in Synergie mit Steroiden.
Falls ihr dies ausprobieren wollt, ist es wichtig, dem Körper massive Mengen an Proteinen, Aminosäuren, besonders BCAAs, und Taurin zur Verfügung zu stellen, da Clenbuterol ihre Zerstörung beschleunigen wird und ein Mangel an auf jeden Fall vermieden werden sollte.
Quelle: http://www.mesomorphosis.com/articles/dharkam/clenbuterol-and-muscle-growth.htm
Geschreiben am 07.09.2006
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